Die Frau im Mond

Mond und Weiblichkeit

Rhythmus ist Zyklus – wir Menschen bekommen das unmittelbar zu spüren durch den Mond. Dieser regiert das Tierkreiszeichen Krebs (22. Juni bis 23. Juli) und ist seit alters her ein wichtiger Taktgeber für uns. Zugleich ist er Symbol für die Weiblichkeit.

Der Mondkalender zeigt uns an, welche Zeitqualitäten besonders günstig für bestimmte Dinge sind. Im Juni 2017 finden zwei besondere Mond-Feste statt: der Vollmond vom 9. Juni im Sternzeichen Schütze unter der Regie des Jupiters. Hier kommen wir in Verbindung mit der Fülle des Mondes, unserer eigenen Harmonie, und dem Glücksaspekt des Jupiters. Auch der Neumond, der am 24. Juni ist und damit kurz nach der Sommersonnenwende (21. Juni), bringt einen ganz besonderen Aspekt mit sich: die Qualität der Fülle des Sonnenlichts am längsten Tages des Jahres im Gegensatz zur Dunkelheit des nicht scheinenden Mondlichtes. Zudem ist dieser Neumond im Sternzeichen Krebs und steht damit unter seiner eigenen Regie, denn Krebs hat den Mond als Himmelsregent.

Auch wir Frauen unterliegen einem ca. 4-wöchigen Rhythmus mit der Menstruation. Diese Analogie des Auf- und Abbaus in einem etwa gleichen Zeitrahmen verbindet daher den Mond mit der Weiblichkeit.

Mein Spezialgebiet ist das Wissen um die Archetypen der Himmelskörper. Um dem Thema Weiblichkeit eine Bühne zu bieten, habe ich Sandra Winkler interviewt, deren Herzthema „Weiblichkeit“ ist: Sandra Winkler ist systemische und integrale Coach-Frau. Ich kenne sie aus meinem Netzwerk und wir gestalten gemeinsam den kommenden Klangabend am 30. Juni in München.

 

Liebe Sandra, was bedeutet Weiblichkeit für Dich?

Es ist schwer in Worte zu fassen, da für mich Weiblichkeit v.a. ein Lebensgefühl ist, ja, meine Lebensenergie. Als weibliches Wesen ist Weiblichkeit wie der Grundton in mir, der meine Wahrnehmung und meine Art zu Denken färbt. Die weibliche Energie unterscheidet sich von der männlichen recht deutlich. Weiblichkeit ist wie ein stiller See – an der Oberfläche recht ruhig, aber sehr tief, komplex und mit seiner Tendenz sich in alle Richtungen auszubreiten, zu verbinden. Männlichkeit hingegen ist eher zielgerichtet, fokussiert und auch mit einer gewissen Härte und Kraft.

Ja, spannend, wenn man hier wieder den Bezug zu den Himmelskörpern herstellt: Weiblichkeit ist still, sagst Du, und weich – wie das Licht des Vollmondes. Männlichkeit ist fokussiert, kraftvoll und entspricht mehr der Sonnenenergie.

Gerade diese männlichen Aspekte sind in unserer Gesellschaft sehr anerkannt und werden als erstrebenswert angesehen. Die weiblichen Aspekte jedoch stehen eher im Hintergrund, werden als Schwäche und Unentschlossenheit interpretiert. Doch gerade in den weiblichen Aspekten liegen Schätze verborgen, die Jedem – uns selbst, unserer Gesellschaft und der Welt im Gesamten – helfen würden, die heutigen Herausforderungen, vor denen wir Alle stehen, zu meistern.

Weiblichkeit hat für mich überhaupt nichts mit Schwäche zu tun – ganz im Gegenteil. Auch im Weiblichen liegt eine enorme Stärke. Nur ist diese anders in ihrer Wahrnehmung. Ich nenne es gerne meine „sanfte Stärke“.

Sanfte Stärke, was verstehst Du darunter?

Es ist eine Stärke, die in sich weich und dennoch kraftvoll ist und mit enormer Ausdauerkraft und Komplexität einhergeht. Vergleichbar mit der Kraft von Wasser. Wasser ist ebenso in sich sanft und hat gleichzeitig solch enorme Energie. Dies ist für mich der beste Vergleich für weibliche Stärke.

Eine weitere weibliche Eigenschaft ist die Fähigkeit sich selbst und andere in Ihren Bedürfnissen wahrzunehmen und intuitiv den best-möglichsten Weg für alle zu finden. Weiblichkeit sammelt und verwandelt, Weiblichkeit nimmt wahr und lässt daraus ganz natürlich etwas Neues entstehen. Weiblichkeit ist Kreativität und Ausdruck.

All diese weiblichen Energien in sich neu zu entdecken, auszubauen, zu transformieren und entsprechend zu leben, ist für mich der wahre Ausdruck meines weiblichen Selbst. Was mir jedoch ganz wichtig ist: ich lehne dabei nicht das Männliche ab. Denn nur in der Kombination aus beiden Aspekten liegt die gesamte Wahrheit und, wie ich denke, auch Heilungschance für die Welt und uns Selbst. So wie im Ying und Yang Zeichen beide Aspekte in dem jeweilig Anderem zu finden sind und auch sich ergänzen und ein Ganzes bilden, so ist es auch in uns, in unserer Gesellschaft und der Welt.

 

Ja, das Geheimnis liegt nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander. Klingt einfacher als es ist… Was gewinnen wir, wenn wir die weibliche Seite in uns annehmen und leben können?

Wenn wir weiblich sind und diese weibliche Seite in uns erwecken, leben und annehmen ist es wie „nach Hause kommen“. Wir sind mit uns selbst und der Energie, die uns ausmacht, verbunden. Dies hat sowohl Auswirkungen auf unsere Beziehung zu uns selbst und zum Leben, als auch zu unseren Mitmenschen. Wenn ich das lebe, was ich nun mal bin – Weiblichkeit – dann ist das wie eine innere Versöhnung mit mir. Es ist ein Annehmen von mir Selbst in meinem eigenen Sein. Ich lebe dann aus mir heraus, verleihe diesen weiblichen Aspekten Ausdruck und gebe damit mein eigenes Wesen in die Welt. Ich selbst spüre dabei eine so tiefe Liebe, Ganzheit und Dankbarkeit. Das ist wunderschön. Oft sind die weiblichen Aspekte jedoch in uns wie rohe Diamanten. Sie wollen erst entdeckt und geschliffen werden. Was  unsere weiblichen Eigenschaften angeht, so geht es um eine Transformation dieser.

Ich gebe ein Beispiel: Nehmen wir den weiblichen Aspekt, andere Bedürfnisse wahrzunehmen. Dies kommt nicht selten so zum Ausdruck, dass sich die jeweilige Frau selbst komplett vernachlässigt und nur für andere sorgt. Zwar lebt sie dadurch eine weibliche Eigenschaft, aber es ist nur ein Aspekt der Weiblichkeit, der hier sehr dominiert und gleichzeitig nur an andere gerichtet zum Ausdruck kommt. Weiblichkeit zu leben heißt, diese auch sich selbst „zu schenken“. Das funktioniert in dem ich in meiner weiblichen Kraft verankert bin.

Transformiert kann sich dieser weibliche Aspekt dann so äußern, dass ich die Bedürfnisse von allen anderen weiterhin wahrnehme (denn das ist eine wundervolle Eigenschaft), gleichzeitig aber auch meine Bedürfnisse registriere. Ich bin dann in der Lage, zu entscheiden, was in diesem Moment Vorrang hat, kann meine Kraft wahren und gleichzeitig andere unterstützen ebenso in ihre eigene Kraft zu kommen. Somit verbinde ich mehrere weibliche Aspekte, wie die Wahrnehmung der Bedürfnisse, das wohlwollende Lehrende, die komplexe Sicht auf die langfristigen Auswirkungen. Dies hilft allen Beteiligten am besten und kann zu einer echten Verwandlung beitragen.

Leben wir unsere Weiblichkeit tragen wir zudem einen Teil zum Ausgleich des männlichen Aspekts in unserer Gesellschaft und auf der Welt bei. Wie ich es vorhin angedeutet habe, braucht es beide Aspekte in Ihrer jeweiligen Kraft, um alles in Balance zu halten. Die weibliche Energie wurde lange abgelehnt und wird es zum Teil noch heute. Das traurige ist, dass v.a. auch Frauen selbst ihre Weiblichkeit ablehnen und damit ist das Gleichgewicht gestört. Ich bin mir sicher, dass jede Frau, die ihre Weiblichkeit für sich pflegt, auch einen Teil zum Gleichgewicht in der Welt bei trägt.

 

Ja, liebe Sandra, da kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass ich vor vielen Jahren, als mir eine Heilpraktikerin sagte, ich solle mehr mit meiner Weiblichkeit in Kontakt kommen, dies als sehr befremdend empfunden habe. Ich habe Weiblichkeit damals mit Schwäche assoziiert und in einem beruflich männlich dominierten Umfeld konnte ich mir nicht vorstellen, als Frau, die ihre weibliche Seite lebt, durchsetzungsstark zu sein. – Ich bin froh, dass ich heute beide Seiten leben und genießen kann. Hast Du eine Übung, einen Impuls, den Frau sofort probieren kann? Gibt es einen Impuls, der Frau dabei hilft, in ihre Weiblichkeit zu kommen?

Wie ich es am Anfang beschrieben habe, ist Weiblichkeit vor allem ein Lebensgefühl. Somit können wir unsere Weiblichkeit vorzugsweise über unsere Gefühle entdecken. Es geht darum wieder in Einklang mit unseren Gefühlen zu kommen, sie wahrzunehmen und auch ernst zu nehmen – nicht weg zu drücken oder zu ignorieren. Das bedeutet aber nicht, dass wir dabei unseren Kopf ausschalten und uns von den Gefühlen komplett steuern lassen. Es geht eher um eine Verbindung von Kopf und Herz.

Eine wundervolle Übung für diese Verbindung ist „das Lächeln mit dem Herzen“. Diese Übung verbindet sogar wissenschaftlich nachgewiesen, unseren Körper und Geist und bringt uns wieder in Balance. Wenn wir als Frauen in unserer inneren Balance sind, haben wir auch besseren Zugang zu unserem wahren Wesen.
Für „das Lächeln mit dem Herzen“ setz Dich ruhig hin und nimm ein paar tiefe Atemzüge in deinen Beckenraum. Dann richte Deine Aufmerksamkeit auf dein Herz und stell Dir vor, wie es zu lächeln beginnt. Halte dieses Lächeln für ein paar Minuten. Registriere, ob sich dadurch etwas in dir an Qualität verändert.

Diese Übung kannst Du täglich mehrmals machen. Am besten vor dem Aufstehen und vor dem Zu-bett-gehen. Sie hilft dir aber auch sehr gut im Alltag. Wie mit allen Wahrnehmungsübungen bedarf es etwas Zeit und Geduld bis es mühelos fließt.
Ansonsten ist jeglicher Ausdruck von Lebensgefühl und Kreativität ein guter Weg um in die Weiblichkeit zu kommen. Also tanze, male, singe, lache – drücke Dich selbst in dem aus, wonach Dir gerade ist.
Da Weiblichkeit stark in einem Miteinander verwurzelt ist, hilft es ebenso sich mit anderen Frauen zu treffen, auch sich von Frauen, die bereits in Ihrer Weiblichkeit verankert sind, Unterstützung zu holen.

 

Eine schöne Übung gibst du uns da mit, danke Sandra. Es ist so wichtig, Kopf und Bauch miteinander zu verbinden. Ich denke da auch sofort an die Grundtonübung, die ich in meiner Arbeit mit der Stimme empfehle. Hier tönen wir vom Bauch über das Herz zum Kopf und harmonisieren uns über den Klang. Meinst Du, es gibt verschiedene Facetten von Weiblichkeit? Gilt hier das gängige Sex-Appeal-Denken oder gibt es etwas darüber hinaus?

Weiblichkeit per se besteht aus den unterschiedlichsten und komplexesten Facetten. Einige dieser Aspekte hatte ich bereits genannt. Jede Frau hat ihre ganz besondere Mischung dieser unterschiedlichen Aspekte der Weiblichkeit in sich. Daher ist auch jeder Weg zur Weiblichkeit ein recht individueller. Gleichzeitig nähren wir uns durch die weibliche Gemeinschaft. Weiblichkeit verbindet viele vermeintlich gegensätzliche Aspekte und erschafft eine neue Ausdrucksform. Aspekte wie Zerstören und Gebären, die sich auf gewisse Art widersprechen, werden im Weiblichen vereint. Das Weibliche ist ein Sowohl-als-auch. Danach gibt es wohl so viele Ausdrucksformen von Weiblichkeit, wie es Frauen auf dieser Erde gibt.

 

Wie bist Du zu Deinem Herzthema Weiblichkeit gekommen?

Die Sehnsucht in mir, mich selbst besser wahrzunehmen und zu fühlen, ist bei mir schon sehr früh da gewesen. Es war gab da immer eine Art Loch – eine tiefe Frage nach dem, wer ich eigentlich bin und was ich hier soll. So habe ich schon in meiner frühen Jugend damit begonnen, mich mit den unterschiedlichsten Ansätzen von Selbstentwicklung auseinander zu setzen.
Durch Zufall bin ich dann auf einen „Weiblichkeits-Workshop“ gestoßen, der mich enorm angezogen hat. Das war der Startschuss für zahlreiche vertiefende Wochenend-Seminare über mehrere Jahre, die mich selbst immer tiefer in meine weiblichen Aspekte geführt haben. Dieses Thema hat mich so fasziniert und gleichzeitig war es mir so fremd und neuartig. Doch in Kombination mit meinen gleichzeitig stattfindenden Ausbildungen z.B. in Focusing-Therapie, bei denen es auch ganz stark um das Wahrnehmen der eigenen Gefühlswelt und des eigenen Grundgefühls geht, habe ich immer tieferen Einblick auch in meine Weiblichkeit bekommen.

Mich faszinieren Frauen, die voll Weiblichkeit sprühen und ich selbst spüre immer wieder, wie kraftvoll und zugleich ausgeglichen ich bin, wenn ich mit meiner Weiblichkeit in Kontakt stehe. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, meine Weiblichkeit in mir und in meinem Leben zu integrieren und gleichzeitig meinen männlichen Aspekt, wie Zielstrebigkeit und klar gerichteten Focus, ebenso Raum zu geben. Denn wir brauchen, wie beschrieben, Beides – nur eben in unterschiedlicher Gewichtung und zu unterschiedlichen Zeiten. Das ist alles ein Prozess und ich freue mich, diesen Prozess mit anderen Frauen zu teilen und ebenso Frauen, die zu Beginn des Prozesses stehen, Unterstützung zukommen zu lassen.

 

Liebe Sandra, danke für deine sehr offenen und mutmachenden Antworten! Magst du dich noch kurz den Lesern hier vorstellen?
So komplex die Weiblichkeit, so komplex ist auch mein Tätigkeitsfeld. Angefangen mit einer Ausbildung als Diätassistentin habe ich schon zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit das Thema „Essen und Psyche“ kombiniert. Mir war so schnell klar, dass Essen auch ein Ausdruck von Selbstfürsorge ist. So bin ich tiefer in das Thema Selbstfürsorge, Selbstentwicklung eingestiegen und habe hier zahlreiche Ausbildungen absolviert, wie Heilpraktiker für Psychotherapie, eine dreijährige Therapieausbildung in Gesprächs- und Focusingtherapie, Mentaltrainer und systemischer Coach. Was jedoch die wertvollste Ausbildung überhaupt war und ist, ist die meines eigenen Lebens, meiner eigenen Suche und Auseinandersetzung mit mir Selbst. Denn ich denke das Leben und die persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse kann uns kein Lehrbuch vermitteln. Diesen ganzen Erfahrungsschatz lasse ich heute in meine Arbeit einfließen. Nach jahrelanger Tätigkeit in der therapeutischen Begleitung von Menschen und meinem heutigen Schwerpunkt in der Prävention, entwickle ich gerade ein neues Tätigkeitsfeld. In diesem stehe ich als Coach für Frauen zur Verfügung, um Sie auf dem Weg in Ihre Weiblichkeit zu begleiten. Somit stelle ich heute mein Herzensthema auch beruflich immer mehr in den Focus.

 

 

Sandra und ich werden beim nächsten Klangabend, 30. Juni 2017 in meiner Praxis tiefer in das Thema „Mond und Weiblichkeit“ einsteigen. Mit Übungen, Gedankenimpulsen, einer Mond-Meditation und einem meditativen Klangkonzert mit passenden Planetenschalen.

Wir freuen uns auf deine Anmeldung unter praxis@astrid-goevert.de. Die Plätze sind begrenzt.

 

Klangvolle Grüße

Astrid

 

Bildnachweis: 123rf.com: GlebTV, Daria Solomennikova, Inara Prusakova, Privat

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